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Markus Pucher - Ein Mann ohne Nerven

Wenige bewegen sich so schnell und sicher in steilen Eisfällen, kaum jemand unternimmt so schwierige Alleingänge. Markus Pucher ist Extremsportler, der seine Abenteuer meist ganz alleine durchzieht. Der alpinistische Einzelgänger ist paradoxerweise auch ein fürsorglicher Familienvater und ganz nebenbei sogar österr. Meister im Armdrücken. Ganz im Stillen entwickelte sich der Kärntner in den vergangenen Jahren zu einem der komplettesten Alpinisten der Gegenwart. Sowohl im heimischen Maltatal als auch in den Bergen der Welt hinterließ er seine Spuren in Form von wilden Erstbegehungen – über die er kaum ein Wort verliert. Wohl auch, um sein Ideal des romantischen Bergsteigens, des Tuns in Freiheit und Unabhängigkeit, weiterhin verwirklichen zu können.

Allein, eisverkrustet, dem erbarmungslosen Wind ausgesetzt, stand der Kärntner Markus Pucher am 27. Dezember 2014 auf dem Gipfel des Cerro Torre. Niemand anders war an jenem Tag in den Bergen Patagoniens unterwegs. Die Bedingungen können als haarsträubend bezeichnet werden.. Dennoch wollte Pucher „einfach mal schauen, was und ob es für ihn dennoch möglich ist“.

Knapp zwei Jahre zuvor war er die Ferrari-Route an der Westseite des Cerro Torre free solo geklettert. Damit war Pucher die fünfte Solo-Besteigung des Cerro Torre, das zweite Solo der „Ferrari-Route“ und die erste Free-Solo-Begehung des Cerro Torre überhaupt gelungen. Für den Aufstieg brauchte er 3.15, für den Abstieg 2.30 Stunden.

Im Dezember 2014 benötigte er wesentlich länger – das Abenteuer endete fast im Fiasko. Denn nur im allerletzten Augenblick konnte Pucher einen Sturz im Abstieg mit seinen Eisgeräten bremsen. So nahe liegen Triumph und Tragödie an den schwierigen Bergen dieser Welt beieinander. Und nur selten kommt jemand, der eine dermaßen außergewöhnliche Extremsituation erlebt hat, gesund zurück, um davon erzählen zu können.

Markus Pucher: „Ja, ich weiß, warum ICH das mache. Es ist für mich ein Gefühl der Freiheit und Lebendigkeit, das ich spüren darf. Auf dem Gipfel des Cerro Torre bin ich glücklich. Ein paar Minuten bin ich ganz still und bedanke mich beim Berg, dann steige ich ab.“

Der schmale Grat zwischen Leistungs- und Leidensfähigkeit auf der einen, Verantwortung für sich und die Familie auf der anderen Seite – das ist der rote Faden des filmischen Porträts von Markus Pucher. Höhepunkt dieser Erzählung ist sein Abenteuer am Cerro Torre, doch auch andere Facetten seines Lebens und Tuns werden gezeigt: das Leben zuhause mit Frau und zwei Töchtern, das spielerische und zugleich ernste Klettern im Kärntner Maltatal, das Unterwegssein als Bergführer sowie die Herausforderung in den Westalpen. Zu Wort kommt dabei nicht nur Pucher selbst. Auch seine Familie, sowie enge Freunde und Gefährten erzählen von dem Mann, der scheinbar keine Nerven hat.

Facts

Servus TV: Bergwelten

Länge: 47 Minuten

Erst-Ausstrahlung: 3. April 2017 um 20:15 auf Servus TV

Crew

Text: Tom Dauer

Produzent/Regie: Gerald Salmina

Kamera: Günther Göberl, Hans Hornberger, Gerald Salmina

Drohne: Rainer Raitmaier, Carsten Darr / Hans Hornberger

Schnitt: David Hofer

Tonmischung: Andreas Frei